Geschichte

Die geheime Staatspolizei – meist bekannt unter ihrer Abkürzung »Gestapo« – war die Geheimpolizei des nationalsozialistischen Staates. Bereits 1933 als »Geheimes Staatspolizeiamt« in Preußen errichtet und den Regierungspräsidien angegliedert – verbanden sich in ihr Elemente von politischer Polizei, Kriminalpolizei und Geheimdienst.

Ab 1936 wurde ihre Zuständigkeit auf das gesamte Gebiet des Deutschen Reiches erweitert, 1939 wurde sie in das sog. Reichssicherheitshauptamt eingegliedert. Unter der Leitung von Heinrich Himmler als Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei entstand damit ein zentrales Instrument der nationalsozialistischen Herrschaft. Mit Beginn und im Vorfeld des II. Weltkrieges dehnte die Gestapo ihre Aktivität auf die von Deutschland besetzten Gebiete aus.

In Osnabrück war die Gestapo zunächst im Gebäude der ehemaligen Bezirksregierung am Hegertorwall untergebracht, bezog dann zum 1. April 1938 den für sie ausgebauten Westflügel des Schlosses mit Büroräumen und Haftzellen. In einer Zwischenzeit 1940–43 befand sie sich im ehemaligen Hotel Schaumburg am Schillerplatz. Die Kellerräume wurde nach 1945 als Abstellräume usw. genutzt. Von den fünf Haftzellen sind drei erhalten.

Die Gestapo war in drei Abteilungen gegliedert:

  1. Verwaltung (Personal, Finanzen, Kartei)
  2. Exekutive (operative Vorgänge z.B. gegen politische Gegner des NS-Systems, Judenreferat u.ä.)
  3. Abwehr, (Observierungen, Gegenspionage in von Dtl. Besetzten Gebieten u.ä.)


Ihre Aufgaben und Aktivitäten waren

  • die Überwachung der Bevölkerung und Beobachtung der Akzeptanz des NS-Systems,
  • die Ausschaltung politischer Gegner,
  • die Erfassung und Deportation der Juden und anderer der sog »Volksgemeinschaft« als nicht zugehörig betrachteter Personen,
  • nach Beginn des zweiten Weltkrieges die Überwachung der ZwangsarbeiterInnen


Das Personal der Gestapo kam zum grössten Teil aus der bereits vorher bestehenden politischen Polizei, der Kriminapolizei und anderen Teilen der Verwaltung. Die leitenden Beamten der Gestapostelle Osnabrück sind namentlich bekannt, ein Teil der regelmässigen Lageberichte ist erhalten.

Zur Systematisierung und Speicherung ihrer Informationen legte die Gestapostelle eine Kartei an, die jeweils Personalien der Betroffenen und Hinweise auf die ihnen vorgeworfenen Tatbestände enthält, die weiteren Informationen wurden in anderen Akten aufgezeichnet. Aus dem Bestand der Gestapostelle Osnabrück sind etwa 49.000 solcher Karten erhalten, dabei sind ca 32.000 tatsächliche Kontakte mit Personen erfasst. Die anderen enthalten Angaben zu gesuchten Personen, sog. Sonderkarteien zu Juden oder Katholiken sind verschollen. Auch Sachakten selbst sind nicht erhalten.

Die Gestapostelle nahm in ihren eigenen Räumen im Schloss Vernehmungen vor, auch sog »verschärftes Verhör« (= Folter) und nutzte die fünf Zellen im Keller als ihr Hausgefängnis. Außerdem konnte sie auf das Polizeigefängnis Turnerstrasse zugreifen und eigenständig über das weitere Vorgehen entscheiden. Neben der Zuführung zur Strafjustiz, zu Sondergerichten oder Einweisung in ein Konzentrationslager (sog. »Schutzhaft«)  konnte die Gestapo die Betroffenen in eigenen Lagern, sogenannten Arbeitserziehungslagern – »AEL« oder »AZ« genannt – unter KZ-ähnlichen Bedingungen mehrere Wochen inhaftieren. Im Osnabrücker Umland bestand 1944/1945 ein solches AEL im Augustaschachtgebäude in Ohrbeck, dessen Hauptgebäude erhalten ist. Dort befindet sich seit 2000 die Gedenkstätte Augustaschacht.

Kurz vor Ende des Krieges gelang es dem Personal der Gestapostelle Osnabrück, die Stadt in Richtung Bremen zu verlassen und ihre Unterlagen im wesentlichen zu beseitigen. Nur einige leitende Mitarbeiter wurden später strafrechtlich verfolgt und zu vergleichsweise geringen Freiheitsstrafen verurteilt.

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