Ort des Übergangs,
des Lernens und der Forschung

Im Westflügel des Osnabrücker Schlosses befindet sich seit 2001 die Gedenkstätte Gestapokeller. Das Schloss war seit dem 19. Jahrhundert und auch zur Zeit des Nationalsozialismus Sitz verschiedener Behörden, sein Innenhof vor allem Ort zahlreicher Aufmärsche, politischer Feiern und Veranstaltungen.

Der Westflügel wurde 1937/38 für die Gestapo, die davor seit 1933 im Gebäude der damaligen Bezirksregierung am Hegertorwall ihren Sitz hatte, ausgebaut. Ab April 1938 dienten ihr vor allem die Räume im Hochparterre dieses Flügels als Amtsräume sowie mehrere Zellen im Keller als sogenanntes Hausgefängnis. In einer Zwischenzeit von 1940 bis 1943 nutzte die Gestapo das ehemalige Hotel Schaumburg am Schillerplatz. Anschließend kehrte sie in die Räume im Schloss zurück. Wegen Bombenschäden im Schloss bezog die Gestapo im Herbst 1944 für wenige Wochen Räume im Osnabrücker Marienhospital.

Von den 5 früheren Zellen im Kellergeschoss des Schloss-Westflügels sind noch 3 und der dazugehörige Flur weitgehend im ursprünglichen Zustand vorhanden, original erhalten ist insbesondere noch die Tür einer Zelle.

 

Eingang zum Gestapokeller im Osnabrücker Schloss

 

Nach 1945 wurden diese Räume als Abstellräume und Waschküche der ehemaligen Pädagogischen Hochschule und später der Universität Osnabrück genutzt. Daher sind in ihrem Erscheinungsbild auch die verschiedenen Zeitschichten der Nutzung erkennbar. Nicht zugänglich sind 2 Zellen und die Bereiche des Kellergeschosses, die während des II. Weltkriegs als Luftschutzräume verwendet und von der Gestapo bevorzugt für sogenannte Verschärfte Verhöre genutzt wurden.

Die Räume im Kellergeschoss wie in den Obergeschossen waren somit vor allem ein Ort des Übergangs, des »Transits«, weniger ein Ort, an dem die Verbrechen selbst geschahen, sondern vielmehr geplant und vorbereitet wurden. Für die Opfer war es nicht ein Raum des Bleibens, sondern des Durchgangs. Dieser »Transitcharakter« soll in der Gedenkstätte sichtbar werden. Sie bildet den Zusammenhang der verschiedenen Orte der Gewalt und des Terrors in Osnabrück und Umgebung ab. Nur in Fragmenten erhaltene Zeugnisse aus der Geschichte Osnabrücks im Nationalsozialismus erhalten ihren Kontext.

2001 wurde hier eine Gedenkstätte eingerichtet. Der historische Ort ist ein Raum der Information, des politischen Lernens, der Erinnerung und des Gedenkens.

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Gestapokeller