Botschafter der Verständigung

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GEDENKSTÄTTEN GESTAPOKELLER UND AUGUSTASCHACHT – November 2017

Die Gedenkstätten Gestapokeller und Augustaschacht verlieren einen Botschafter und Freund

Am Sonntag, dem 5. November 2017 verstarb im Alter von 90 Jahren in Sewastopol auf der Krim Igor Rudchin.
 


Igor Rudchin im Jahr 2008 im Garten des Osnabrücker Priesterseminars bei seinem zweiten Besuch in Osnabrück nach dem Krieg. Das langjährige internationale Begegnungsprojekt der Gedenkstätten und der Ursulaschule mit Schülerinnen und Schülern sowie Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus Osnabrück, Simferopol, Minsk und weiteren osteuropäischen Orten bedeutete ihm sehr viel. Foto: Michael Gander


Igor Rudchin war der Arbeit der Gedenkstätte Gestapokeller im Schloss Osnabrück und vor allem der Gedenkstätte Augustaschacht eng verbunden. Er wurde nach der deutschen Invasion in die Sowjetunion im Alter von 15 Jahren aus seiner Heimat nach Deutschland zur Zwangsarbeit verschleppt und kam nach Osnabrück, wo er in dem Klöckner-Werk Georgsmarienhütte zur Arbeit eingesetzt wurde.

Neben den Erfahrungen von Gewalt, Hunger und Unfreiheit erlebte er aber auch Momente, in denen ihm von der deutschen Familie Gausmann in Hagen-Gellenbeck eine wichtige Unterstützung zuteil wurde. Im Laufe des Jahres 1945 konnte er nach Russland zurückkehren, war lange in der internationalen Seeschiffahrt tätig und lebte in Sewastopol auf der Krim.

Er konnte sich an viele Ereignisse und Personen aus seiner Zeit in Deutschland erinnern und damit auch zum Kenntnisstand über die Zwangsarbeit im Raum Osnabrück und besonders am Hüggel beitragen.

Die Gedenkstätten führen seit etlichen Jahren in Zusammenarbeit mit der Ursulaschule Osnabrück Begegnungsreisen in Länder durch, aus denen Menschen während des II. Weltkrieges insbesondere aus Osteuropa zur Zwangsarbeit verschleppt wurden. Somit entstanden etliche persönliche Kontakte und Einladungen nach Osnabrück.
 


Igor Rudchin bei seinem letzten Besuch 2016 in der Gedenkstätte Gestapokeller im Gespräch mit Jugendlichen, die er immer wieder eindringlich zum Einsatz für Frieden und Versöhnung zwischen den Völkern aufforderte. Foto: Michael Gander

Igor Rudchin nahm an diesen Treffen und Fahrten seit 2007 regelmäßig teil und wurde zu einem guten Freund. Seine Auftritte in Schulen und bei öffentlichen Veranstaltungen in Osnabrück und Umgebung machten ihn der Öffentlichkeit bekannt. Eindrücklich konnte er aus seiner Lebensgeschichte von seiner Inhaftierung bei der Gestapo in Osnabrück, seiner Zwangsarbeit für die Klöckner-Werke und in den Lagern von Zwangsarbeitern berichten. Diese Begegnungen waren für alle, die ihn dabei kennenlernen durften, beeindruckend und ein wichtiges Zeichen. Ein besonderes Anliegen waren ihm die Gespräche mit den jungen Menschen, an deren heutiger Lebenswelt er sehr interessiert war.

Damit wurde er zu einem Botschafter der Verständigung, Versöhnung und Freundschaft. Nach den Erfahrungen der Gewalt des Krieges und der Zwangsarbeit war diese seine Bereitschaft nicht selbstverständlich, sondern wie ein Geschenk.

Die Gedenkstätten Gestapokeller und Augustaschacht werden die Erinnerung an Ihn in ihren Ausstellungen und Bildungsangeboten wach halten.


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