Umsetzung der neuen Dauerausstellung

Übersichtvorherige Seitenächster Seite

GEDENKSTÄTTEN GESTAPOKELLER UND AUGUSTASCHACHT – April 2017

Umsetzung der neuen Dauerausstellung der Gedenkstätten Gestapokeller und Augustaschacht als Besucherangebot mit regionaler, landesweiter und gesamtstaatlicher Bedeutung
 
 
Am 1. April jährt sich der Tag der Befreiung des Arbeitserziehungslagers Ohrbeck zum 72. Mal. Erstmals soll in den folgenden drei Jahren mit starker öffentlicher und privater Förderung zeitgleich für die Gedenkstätten Gestapokeller und Augustaschacht eine Ausstellung, bestehend aus zwei Teilausstellungen, als dauerhaftes inhaltliches Besucherangebot erarbeitet werden.
 
Die Gedenkstätte Gestapokeller im ehemaligen Dienstsitz der Geheimen Staatspolizei im Zentrum von Osnabrück und die Gedenkstätte Augustaschacht auf dem Gelände des früheren Arbeitserziehungslagers Ohrbeck in Hasbergen sind eng miteinander verbundene Erinnerungsorte zur NS-Geschichte. 1944 richtete die Gestapo Osnabrück neun Kilometer von ihrer Dienststelle entfernt das Arbeitserziehungslager Ohrbeck ein. Beide historischen Orte repräsentieren Überwachung sowie Terror- und Gewaltausübung der Gestapo im Grenz­gebiet zu den Niederlanden.

Die beiden baulich gut erhaltenen historischen Orte bilden ein besonderes Ensemble: Nur hier sind eine ehemalige Dienst­stelle der Gestapo und das ihr zugehörige Arbeitserziehungslager zu Gedenkstätten ausgebaut.

 

Im Licht der ersten Frühlingssonne trafen sich Förderer und Vertreter des Vereines Gedenkstätten Gestapokeller und Augustaschacht, um die Umsetzung des Projektes neue Dauerausstellung in den beiden Gedenkstätten vorzustellen: (v.l.n.r.) Dr. Michael Gander (Gedenkstätten), Dr. Beate-Maria Zimmermann (Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte), Dr. Jens-Christian Wagner (Stiftung niedersächsische Gedenkstätten), Peter Kreipe (Gedenkstättenvorstand), MdL Gabriela König, Georg Hörnschemeyer (Gedenkstättenvorsitzender), MdL Kathrin Wahlmann, Burkhard Fromme (Kulturbüro des Landkreises Osnabrück) und Hannah Bennhold-Rohwer (Gedenkstättenvorstand). Foto: Yuliia Kliuchko


»Ein Alleinstellungsmerkmal in der Bundesrepublik und ein Leuchtturmprojekt für Niedersachsen«, wie Dr. Jens-Christian Wagner, der Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, betont.

Georg Hörnschemeyer, der Vorsitzende des Gedenkstättenvereines, ergänzt: »Die beiden Orte zeigen die Verbindungen zwischen der Dynamik der Gestapo, dem Handeln der Täter und den Folgen für die Opfer des Arbeitserziehungslagers.«

Als Quellengrundlage zur Überwachungs- und Verfolgungstätigkeit der Gestapostelle Osnabrück steht mit der fast vollständig überlieferten Fallkartei eine äußerst seltene und zentrale Quelle zur Verfügung.

Der Augustaschacht ist neben der Gedenkstätte Breitenau bei Kassel die einzige Gedenkstätte in Deutschland in einem historischen Hauptgebäude der einst mehr als 200 Arbeitserziehungslager (abgekürzt AEL). Diese Lager sind als dritte Säule der Repressionspolitik des NS-Regimes neben der Justiz und den Konzentrationslagern bis heute der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt. Der Augustaschacht repräsentiert den Typus der »betrieblichen AEL«, die während des Krieges in unmittelbarer Nähe von Rüstungsbetrieben vorrangig zur abschreckenden Bestrafung von ausländischen Zwangsarbeitskräften entstanden.
 
Übergreifendes Thema beider Teilausstellungen ist die Entwicklung und Radikalisierung der Überwachungs- und Verfolgungspraxis der Gestapo Osnabrück. In Anbindung an den jeweiligen historischen Ort wird die Teilausstel­lung im Gestapokeller die Verschärfung der Gestapotätigkeit zwischen 1933 und 1945 aufzeigen, während sich die Teilausstellung im Augustaschacht auf die Geschichte des AEL Ohrbeck als Teil der weiteren Radikalisierung der Gestapotätigkeit während des Zweiten Weltkrieges konzentrieren wird. An diesem Ort soll die Verfolgung von ausländischen Zwangsarbeitskräften, insbe­sondere von Niederländern als größter Opfergruppe, im Kontext der kriegsbedingten Ausweitung des deutschen Zwangsarbeitssystems thematisiert werden.
 
Zur Finanzierung der Gesamtkosten von 1.184.000 Euro wollen die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien 564.000 Euro und die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten 451.000 Euro geben. Der Landkreis Osnabrück, die Stiftung der Sparkassen Osnabrück, die Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte und das Unternehmen HomeStead haben zudem ihre Unterstützung zugesagt. Die Planung der Kosten sei sehr professionell und sparsam im Abstimmung mit dem wissenschaftlichen Beirat des Projektes und der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten erfolgt, erklärt der Stiftungsgeschäftsführer Dr. Jens-Christian Wagner. Für Burkhard Fromme, dem Leiter des Kulturbüros des Landkreises Osnabrück, war es daher eine klare Entscheidung für den Landkreis, dieses Vorhaben zu fördern.
 
Mit der Ausschreibung der Personalstellen hat das Projekt nach Auskunft von Dr. Michael Gander, dem Geschäftsführer der beiden Gedenkstätten, nun begonnen, damit das Projektteam im Juni mit den Recherchen und konzeptionellen Arbeiten starten kann. Im kommenden Januar soll dann der Auftrag für eine innovative Gestaltung der neuen Ausstellung folgen. Durch die geplante Ausführung der Ausstellung in enger Anlehnung an den Spuren der Geschichte und in den Sprachen Deutsch, Englisch und Niederländisch soll Einzelbesuchern und Teilnehmern von Bildungsangeboten eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Geschichte von Polizeigewalt und Zwangsarbeit im Nationalsozialismus ermöglicht werden. Diese Ausrichtung auf eine moderne historisch-politische Bildungsarbeit ist nach den Worten von Dr. Beate-Maria Zimmermann, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte, ausschlaggebend für die Beteiligung der Stahlwerksstiftung.

Die niedersächsische Landtagsabgeordnete Gabriela König sieht die weitere Aufarbeitung und vermittelnde Aufbereitung in den Gedenkstätten als wichtigen Beitrag gegen die aktuellen Versuche, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus auszublenden.

Auch die SPD-Landtagsabgeordnete Kathrin Wahlmann zeigt sich sehr erfreut über die positive Entwicklung der beiden Gedenkstätten, die sie häufig besucht: »Ich freue mich sehr, dass die rot-grüne Landesregierung ebenfalls tief in den Fördertopf greift und sich umfassend an der Förderung von Bund und Kommune beteiligt. Über die Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten lässt das Land aus den Haushaltsmitteln 2017/18 den beiden Gedenkstätten hier vor Ort ganze 451.500 Euro zukommen. Durch die neue Ausstellung werden weitere wichtige Bildungsangebote geschaffen, von der die ganze Region Osnabrück profitieren wird. Vor allem mit guter Bildung kann man gegen den Einfluss von rechts wirken.« Besonders spannend sei auch eine Beteiligung von Zeitzeugen aus der Region zum Gelingen des Projektes.

Die Eröffnung der Ausstellung ist für April 2020 geplant, wenn sich der Abzug der Gestapo aus dem Osnabrücker Schloss und die Befreiung des Arbeitserziehungslagers Ohrbeck zum 75. Mal jähren.


Übersichtvorherige Seitenächster Seite
nach oben
AktuellesAktuellesAktuelles