»Abgeurteilt«

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GEDENKSTÄTTE ESTERWEGEN – 2. August bis 27. September 2015

»Abgeurteilt.
Gefangene in der Strafanstalt Lingen und den Emslandlagern 1935–1945«

Eine Ausstellung von Studierenden der Universität Osnabrück in Kooperation mit den Gedenkstätten Gestapokeller und Esterwegen

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Unmittelbar nach der nationalsozialistischen Machtübernahme am 30. Januar 1933 trat an die Stelle der verhältnismäßig liberalen Rechtsordnung der Weimarer Republik eine völkische Lebensordnung. Recht ergab sich aus den Vorstellungen von »Volksgemeinschaft« und »Führerwillen«. Neue Verordnungen und Gesetze zerstörten die parlamentarische Demokratie und setzten verfassungsmäßige Grundrechte außer Kraft.

Die NS-Führung schuf durch diese Gesetze den legalen Rahmen, um die politische Opposition durch die Justiz ausschalten und auch andere »Volksfeinde« aburteilen zu können. Neben kritischen Äußerungen und Widerstandhandlungen gegen das NS-Regime konnten nun auch unbedarfte Aussprüche mit harten Strafen geahndet werden. Mit Kriegsbeginn 1939 und zunehmender Kriegsdauer radikalisierte sich die Rechtsprechung und die Urteile wurden immer drakonischer.

Unabhängig von der zivilen Justiz war die Militärjustiz der Wehrmacht. Insbesondere nach 1939 verschärften  die  Wehrmachtgerichte  die  Rechtsprechung  ebenfalls  drastisch  zur »Aufrechterhaltung der Manneszucht«. Bis Kriegsende vollstreckte die Militärjustiz mehr als 20.000 Todesurteile. Im Ersten Weltkrieg waren es nur 48 gewesen.
 

Zwölf Einzelschicksale

Die Ausstellung »Abgeurteilt« zeigt zwölf Einzelschicksale von Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen in die Mahlwerke der NS-Justiz geraten sind. Die verhängten Haftstrafen verbüßten sie in der Strafanstalt Lingen oder den emsländischen Strafgefangenenlagern. Nicht alle überlebten die Haft.

Die Auswahl der Biographien, deren regionaler Schwerpunkt auf dem Raum Osnabrück-Emsland liegt, veranschaulicht eine Bandbreite an verschiedenen Lebensläufen und Tatvorwürfen. Mit ihnen werden individuelle Schicksale sichtbar, die hinter der Rechtsprechung der NS-Gerichte standen. Nicht alle Verurteilten waren ausschließlich Opfer. Einige waren auch zugleich Täter. Aber alle wurden Opfer einer politischen Justiz.

Die Haftzeiten der ausgewählten Gefangenen reichten insgesamt von 1935 bis 1945 und machen die zunehmende Radikalisierung der Rechtsprechung und die stetige Verschlechterung der Lebensbedingungen der Gefangenen deutlich; insbesondere in den emsländischen Strafgefangenenlagern.
 

Ergebnis einer Lehrveranstaltung

Die Ausstellung ist das Ergebnis einer Lehrveranstaltung in der Abteilung Neuste Geschichte des Historischen Seminars im Wintersemester 2013/14 an der Universität Osnabrück unter Leitung von Dr. Sebastian Weitkamp (Gedenkstätte Esterwegen).

Das wiedergegebene Material stammt im Wesentlichen aus den historischen Gefangenenpersonalakten, die im Niedersächsischen Landesarchiv – Standort Osnabrück verwahrt werden.

Die Texte und Biographien erstellten: Christopher Arms, Frederic Benzler, Grete Binder, Maria Bögemann, Marie Brune, Kerstin Büter, Robin Gesing, Nicole Haller, Mara Lisa Kohnen, Meike Möllenkamp, Julia Nützel, Aileen Plump, Christoph Schillingmann, Simon Schoo, Thorsten Sibum, Carsten Siebenbürgen, Evgenia Strom, Alexandra Tretiakova, Fabienne Wröbel, Vera Wollschläger sowie Sebastian Weitkamp.

Die Ausstellung wurde finanziell gefördert durch die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Gedenkstätte Gestapokeller Osnabrück und Gedenkstätte Esterwegen.

 


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