Freiwillige aus neun Ländern halfen bei Grabungen in der Gedenkstätte

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GEDENKSTÄTTE AUGUSTASCHACHT – August 2015


Deutsch-russisches Workcamp in der Gedenkstätte Augustaschacht traf Angehörige eines niederländischen Opfers der Gestapo Osnabrück
 



Auf der Grabungsfläche trafen die internationalen Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workcamps Herman Post (4. v. r.), dessen Vater, Karel August Post, im Arbeitserziehungslager Ohrbeck der Osnabrücker Gestapo im Winter 1945 inhaftiert worden war, nachdem er versuchte hatte, der Zwangsarbeit in Deutschland zu entfliehen. Sein Vater starb noch nach seiner Befreiung an den Folgen der Lagerhaft. Erstmals besuchte nun Herman Post die Gedenkstätte Augustaschacht. Eine bewegende Begegnung für alle Beteiligten. Foto: © André Schmalkuche

 

Dreizehn junge Freiwillige aus Russland, Deutschland und weiteren Ländern gruben zwei Wochen lang auf Einladung der Gedenkstätte Augustaschacht und von Service Civil International nach Spuren der Geschichte auf dem Gelände des ehemaligen Arbeitserziehungslagers Ohrbeck, einem KZ der Osnabrücker Gestapo. Erstmals nahm auch eine junge Frau aus Mexiko teil.

Die internationale Gruppe legte gemeinsam weitere Grundmauern eines Wohnhauses, das dem früheren Lager benachbart war, frei. Bei den Grabungen fanden sie auch eine niederländische Münze aus dem Jahr 1950, die im Zusammenhang mit  Besuchen von niederländischen Überlebenden des Arbeitserziehungslagers stehen könnte. Eine bewegende Situation entstand, als überraschend während der Grabungen der Sohn eines niederländischen Opfers des Arbeitserziehungslagers mit seinen Angehörigen den internationalen Freiwilligen vom Schicksal seines Vaters berichtete.

In Workshops, Rundgängen und Exkursionen vertieften sie die mit den Grabungen verbundenen Themen: Zweiter Weltkrieg, Zwangsarbeit und Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus. Sie besuchten die niederländische Gedenkstätte National Monument Kamp Amersfoort und sprachen mit einem Überlebenden der nationalsozialistischen Judenverfolgung in der Ukraine.

Die jungen Leute im Alter von 18 bis 40 Jahren übernachteten im Haus des Deutschen Roten Kreuzes in Holzhausen, und kochten dort füreinander. Das zweiwöchige Workcamp und die Ausgrabungen wurden vom Landkreis Osnabrück, dem Landschaftsverband Osnabrücker Land, der Stadt Georgsmarienhütte und der Stiftung Deutsches Holocaust Museum gefördert, sowie von der Gärtnerei Wöhrmann unterstützt.

Der Service Civil International, kurz SCI, ist eine gemeinnützige, internationale Organisation, die sich durch Freiwilligenarbeit für Frieden, gewaltfreie Konfliktlösung, soziale Gerechtigkeit, nachhaltige Entwicklung und interkulturellen Austausch einsetzt. Der SCI verfügt über ein Netzwerk von über 45 nationalen Zweigen auf fünf Kontinenten und arbeitet mit mehr als 100 Partnerorganisationen zusammen.

 




Erstmals trafen sich alle Teilnehmenden beider Workcamps und Sommerlager zu einer Übergabe der Arbeit



Die gemeinsamen Grabungen und das begleitende Programm brachten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des deutsch-russischen Workcamps mit Service Civil International und des internationalen Sommerlagers mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in der Gedenkstätte Augustaschacht eng zusammen. Die jungen Leute aus Belarus, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Mexiko, den Niederlanden, Ungarn, Russland und Spanien bewegten nicht nur tonnenweise Material bei den Freilegungen, sondern hatten auch viel Freude an der Zusammenarbeit und ihren Arbeitsergebnissen. Foto: © André Schmalkuche

 

 



Im internationalen Sommerlager gruben junge Freiwillige aus sieben Ländern gemeinsam in der Gedenkstätte Augustaschacht

 

Auch bei größter Hitze setzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des internationalen Sommerlagers mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in der Gedenkstätte Augustaschacht ihre Grabungen in der Gedenkstätte Augustaschacht fort. Im Bild werden zuvor unbekannte Räume des ehemaligen Kessel- und Wohnhauses freigelegt. Foto: © André Schmalkuche

 

Aus sieben Ländern reisten 13 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des internationalen Sommerlagers in der Gedenkstätte Augustaschacht angereist. Bereits zum zehnten Mal kamen junge Menschen in Zusammenarbeit mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste ins Osnabrücker Land, um zwei Wochen bei der Erforschung der Geschichte des Augustaschachtes mitzuhelfen. Die 16 bis 32 Jahre alten Freiwilligen suchten unter der Leitung von André Schmalkuche von der Stadt- und Kreisarchäologie nach Spuren des ehemaligen Arbeitserziehungslagers Ohrbeck, einem KZ der Gestapo.

In diesem Jahr konzentrierten sich die Grabungen weiter auf das in der Nachkriegszeit abgerissene Nachbargebäude des Augustaschachtes. In dem Gebäude, das im vorletzten Jahrhundert einen Dampfkessel beherbergte, wohnten während des Zweiten Weltkrieges deutsche Familien in Nachbarschaft zu den Zwangslagern im Augustaschacht. Die freiwilligen Grabungshelfer legten immer mehr Gebäudeteile frei und fanden Hinterlassenschaften der ehemaligen Bewohner.

In Workshops, Exkursionen in die Niederlande und einem für alle Beteiligten besonders bewegendem Zeitzeugengespräch mit Mortko Jazowitskij, einem Osnabrücker, der als Jude in der Sowjetunion den Zweiten Weltkrieg und die Judenverfolgung der deutschen Besatzungsmacht überlebt hatte, vertieften die Teilnehmer des Sommerlagers die durch die Grabungen aufgeworfenen Themen. Auf diese Weise konnten sie auch ihre eigenen Familiengeschichten und aktuellen Lebenserfahrungen einbringen.

Beim abschließenden Treffen mit den Förderern des Sommerlagers dankte die stellvertretende Landrätin Susanne Breiwe den Jugendlichen für ihr großes Engagement und ihren Beitrag zur Aufarbeitung der regionalen Geschichte im Nationalsozialismus. Die Geschäftsführerin des Landschaftsverbandes Osnabrücker Land Dr. Susanne Tauss überreichte allen Teilnehmenden als Zeichen der Anerkennung das Buch von Dr. Volker Issmer über das Arbeitserziehungslager Ohrbeck.

Auch Burkhard Fromme, der Leiter des Kulturbüros des Landkreises Osnabrück,
Axel Friederichs von der archäologischen Denkmalpflege und Kreisarchäologie in Stadt und Landkreis Osnabrück, sowie Marie-Dominique Guyard und Elisabeth Menkhaus vom Vorstand der Gedenkstätte Augustaschacht zeigten sich von der Arbeit und der Stimmung der internationalen Gruppe beeindruckt.

Das internationale Sommerlager wird vom Landkreis Osnabrück, dem Landschaftsverband Osnabrücker Land, der Stadt Georgsmarienhütte, dem Haus Ohrbeck und der Stiftung Deutsches Holocaust Museum gefördert.

Seit 1958 setzt sich Aktion Sühnezeichen Friedensdienste für eine kritische und sensible Auseinandersetzung mit den Folgen der nationalsozialistischen Verbrechen ein. In Freiwilligendiensten und Sommerlagern engagieren sich jedes Jahr mehrere hundert, überwiegend junge Menschen in vielen Ländern Europas, den USA und Israel in Gedenkstätten, in der Begleitung von Überlebenden der Schoa und in der politischen Arbeit für eine inklusivere, tolerantere Gesellschaft.

Siehe auch die Seite > Workcamps


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